Seit 1997 bin ich mit der μ-Tec GmbH unterwegs. Der Weg begann als holprige Rallyestrecke, bei der nicht mal das Ziel feststand. Zusammen mit anderen ging es recht naiv los. Dann wurde der Belag etwas glatter, doch die Straße war immer noch recht eng. Man musste aufpassen, nicht in den Graben zu rutschen. Mit der Zeit wurde die Straße breiter, sehr angenehm zu fahren. Aber dennoch musste man Acht geben, auf die Einflüsse von außen, auf tiefe Schlaglöcher und so manchen Stau. Geht es hier überhaupt noch weiter? Bleibt man immer auf diesem Stand stehen? Aber alles rollte dann doch wieder an. Das Gefährt, das genutzt wurde, war komfortabler und schneller. Und trotzdem: ein tiefes Schlagloch oder ein Stau konnte immer noch aus der Bahn werfen. In den letzten Jahren glitt alles so schön dahin – bis auf meiner Seite plötzlich ein Schlagbaum auftauchte. Und dieser hatte sogar einen Namen: Rentenbescheid. Ich stieg kurz aus und dachte nach. War es das jetzt mit dieser Fahrt, die doch in den letzten fast 29 Jahren so aufregend, so lebendig und irgendwie auch schön war? Ich ging zum Schlagbaum und drehte ihn zur Seite. Der Weg war wieder frei. Ich stieg ein, gab Gas und setzte den Blinker nach links. Hier gar es eine neue, freie Spur. Hier gab es noch so viele neue Möglichkeiten. Ich hatte das Gefühl: Jetzt geht es erst richtig los! Aber rechts neben mir verlief immer noch die geliebte Grundspur. Die möchte ich noch nicht ganz lassen. Und so setzte ich den Blinker auch immer mal wieder gern nach rechts. Schön, jetzt eine zweispurige Autobahn zur Verfügung zu haben.
Sie merken schon auch als Rentnerin bleibe ich meiner Firma wenigstens noch so ein bißchen erhalten.
Gabriele Quast
